Anmerkung zu 7. Kap./2 * (Psychologisierung „magischen Denkens“) — Der Arzt Albert Schweitzer

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2015 erschien in der Schriftenreihe Medizin und Kulturwissenschaft Bonner Beiträge zur Geschichte, Anthropologie und Ethik der Medizin (Hg. von Walter Bruchhausen und Heinz Schott) als Band 10 die biografische Studie von Isgard Ohls: “Der Arzt Albert Schweitzer”. 

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Hierzu hat Ernst Luther aus Halle (Saale) eine ausführliche Rezension verfasst.

Anmerkung zu 49. Kap./9* („Mischung von Erotik und Mystik“) — Gandhi und Leo Tolstoi im Briefwechsel (1910)

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Wenige Monate vor Leo Tolstois Tod entspann sich ein Briefwechsel zwischen ihm und Gandhi, dem damaligen Wortführer der unterdrückten Minderheit der Inder in Südafrika. Tolstoi unterstützte die Idee des gewaltfreien Widerstands und wurde wegen seiner pazifistischen und sozialkritischen Einstellung von Gandhi und seinen Anhängern verehrt, die sogar eine Tolstoi Farm als eine Art Landkommune einrichteten. 

Der Briefwechsel ist enthalten in:

Brief an einen Hindu. Taraknath Das, Leo Tolstoi und Mahatma Gandhi. Hg. von Christian Bartolf. Berlin: Gandhi-Informationszentrum, 1997, S. 58-72.

In seinem letzten Brief an Gandhi vom 7. September 1910 schreibt Tolstoi:

Für ihn sei wichtig: “Das ist, daß, was man gewaltfreien Widerstand nennt, in Wirklichkeit nichts anderes ist als die Ausübung der Liebe, unverstellt durch falsche Interpretation. Liebe ist die Bestrebung nach seelischer Kommunion (Vereinigung) und Solidarität mit anderen, und dies Bestrebung befreit stets die Quelle für vornehme Aktivitäten. Diese Liebe ist das höchste und einzigartige Gesetz des menschlichen Lebens, das jeder in der Tiefe seiner Seele empfindet. […] Dieses Gesetz der Liebe wurde von allen Philosophien vertreten — der indischen, chinesischen, jüdischen und römischen. Ich denke, daß es am klarsten von Christus zum Ausdruck gebracht worden ist, der sagte, daß in jenem Gesetz sowohl das Gesetz als auch die Propheten enthalten seien.” (S. 68 f.)

Die Beziehung Gandhi-Tolstoi  ist im Kontext einer weltweiten Bewegung für eine friedliche politische Emanzipation, soziale Gerechtigkeit und persönliche Freiheit im Rahmen eines respektvollen Umgang mit der Natur zu sehen. Diese Bewegung nahm auch Impulse der Lebensreform und des New Thought auf, die insbesondere in den USA eine gewisse Popularität erlangten. Hier wäre Tolstois Sympathie für die Karezza-Lehre der US-amerikanischen Frauenärztlin Alice B. Stockham zu erwähnen, die ihn sogar einmal in Russland besuchte.   

Dies alles ereignete sich am Vorabend des Ersten Weltkriegs (und der Oktoberrevolution) und erinnert mich ein wenig an die ominöse Debatte der “Rosenkreuzer”-Anhänger am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648): Man spürt die heraufziehende Katastrophe und appelliert an eine vernünftige Menschenliebe.  

Anmerkung zu 49. Kap./7* (Karezza für die Sexualreform) — Was heißt Karezza?

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Matthias Wendt (nach der Selbstbeschreibung geb. 1966, sozialwissenschaftliches Studium), der Herausgeber des 1998 erschienenen Reprints von Stockham’s “Karezza” (dt.), liefert in seinem kurzen Nachwort eine treffende Umschreibung des Karezza-Begriffs (Zitat grammatikalisch leicht korrigiert): 

“Karezza ist ohne Furcht und Gier,

ist eine verstehende, liebkosende Berührung

im Geistigen, Seelischen und Körperlichen.”

 

Anmerkung zu 49. Kap./7* (Karezza für die Sexualreform) — Details zu Stockham’s Karezza-Buch

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Zur Rezeption  und medizinhistorischen Einordnung von Stockham’s Karezza-Buch siehe mein Beitrag im Heinz Schott’s Unpublished Writings & Miscellanea Blog.

In der deutschen Übersetzung des Karezza-Buchs von 1925 gibt es zwei Zeichnungen des namhaften Zeichners und Lithographen A. Paul Weber, die auch in späteren Ausgaben enthalten sind: Auf dem vorderen Buchdeckel die symbolische Darstellung eines Naturprozesses (Baum, Quellwasser) und als Fronzispiz ein gezeichnetes Porträt von Alice B. Stockham (vermutlich nach einer Fotografie). 

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Reprint (1998) der deutschen Übersetzung von Stockhams Karezza-Buch von 1925 mit einer Zeichnung von A. Paul Weber  — Exemplar der ULB Bonn (mit auffälliger Signatur)

 

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Reprint der Ausgabe von 1925 , hg. u. eingeleitet von Matthias Wendt (1998)

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Alice B. Stockham, Porträtzeichnung von A. Paul Weber (1925)

Soweit ich sehe, gibt es nur sehr wenige Ausgaben von “Karezza. Ethics of Marriage” in der deutschen Übersetzung von Werner Zimmermann, abgesehen von der frühen deutschen Übersetzung von H. B. Fischer (1897), der den Begriff “Karezza” im Titel wegließ:

Stockham, Alice Bunker: Die Reform-Ehe. Ein Mittel zur Erhöhung der Daseinsfreude und zur Veredelung des Menschengeschlechts. Autorisirte deutsche Uebersetzung von H. B. Fischer. Vorrede: Dr. Hartung. Hagen i.W.: Risel, 1897

Im Katalog der Deutschen Nationbibliothek sind nur fünf Ausgaben verzeichnet (tabellarische Zusammenstellung von mir):

1925 Ethik der Ehe : Karezza / Alice B. Stockham. Berecht. übers. aus d. amerikan. von Werner Zimmermann. Das [eingedr.] bild u. d. zeichn. d. umschl. u. d. einbandes stammen von A. Paul Weber Jena : Die neue Zeit

1.-5. Tsd.

http://d-nb.info/576540552 [http://d-nb.info/576540552]
1931 Ethik der Ehe : Karezza / Alice Stockham. Berecht. Übers. aus d. Amerik. von Werner Zimmermann Lauf ; Bern : Die Neue Zeit

16.-18. Tsd.

http://d-nb.info/576540560 [http://d-nb.info/576540560]
1953 Ethik der Ehe / Alice B. Stockham. Berecht. Übers. aus d. Amerikan. von Werner Zimmermann Lauf b. Nürnberg : Zitzmann

16. – 20. Tsd.

http://d-nb.info/454895208 [http://d-nb.info/454895208]
1998 Ethik der Ehe : Karezza / Alice B. Stockham. Berecht. Übers. aus dem Amerikan. von Werner Zimmermann Repr. der Ausg. Die Neue Zeit, Jena und Bern, 1925 / neu hrsg. und eingel. von Matthias Wendt, 1. Aufl.

Göttingen : Saitam

http://d-nb.info/953898482 [http://d-nb.info/953898482]
2001 Karezza : Ethik der Ehe / Alice B. Stockham. Berecht. Übers. aus dem Amerikan. von Werner Zimmermann Repr. der Ausg. Die Neue Zeit, Jena und Bern, 1925 / neu hrsg. und eingel. von Matthias Wendt, 2., veränd. Aufl.

Göttingen : Saitam

http://d-nb.info/960135456 [http://d-nb.info/960135456]

Anmerkung zum 37. Kap./4 * (Dämonologie in der Medizin) — “Erdgeister” von Moritz von Schwind

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Moritz von Schwind: “Erdgeister”; Ansichtskarte (Vorderseite); Kunstwart-Bildkarte, Nr. 223 (undatiert)

 

Diese Graphik ist undatiert. Schwind (1804-1871) gilt als spätromantischer Maler. 

In der Serie “Kleine Meisterbilder des Kunstwarts” des Kunstwart-Verlags Georg D. W. Callwey/München (Bestellnummer: 6) lautet der titel: “Erdgeister, die den Mond anbeten”. Inwieweit der Maler von der paracelsischen Lehre der “Elementargeister” inspiriert war, vermag ich nicht zu sagen. 

Anmerkung zu 45. Kap./1 * (Wollust versus Enthusiasmus) — Der Frühling als Jüngling

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Hans Thoma: Frühling auf dem Gebirgssee; Lithographie (1898)

 

Das Bild ist mythologisch aufgeladen: Der Fisch verweist auf das Tierkreiszeichen des Frühlings, der Adler symbolisiert göttliche Kraft. Der Frühling surft gewissermaßen wie ein Segelboot auf dem frischen Wasser des Gebirgssees.  

Anmerkung zu 36. Kap./3 * (Natura als Lehrerin) — Natura als Schifferin

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Moritz von Schwind hat in seinem Gemälde “Die Schifferin” (Baronin Marie von Spaun am Gmundner See) von 1851 eine für unsere Thematik interessante Bildkomposition geschaffen: Eine majestätisceh Frau mit angedeutetem Heiligenschein, aufrecht in einem Kahn stehend, der sich dem Betrachter gegenüber anzunähern scheint, unter leuchtenden Wolken, über ein (im Mondlicht?) glitzerndes Gewässer  übersetzend. Die Frau könnte man als personifizierte Natura verstehen, die zwischen Himmlischem und Irdischem steht und den Menschen einlädt, in ihr Boot einzusteigen.

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Moritz von Schwind: Die Schifferin (1851)