Anmerkung zu 36. Kap./3 * (Natura als Lehrerin) — Natura als Schifferin

Dieser Beitrag bezieht sich auf mein Magic of Nature Blog.

Moritz von Schwind hat in seinem Gemälde “Die Schifferin” (Baronin Marie von Spaun am Gmundner See) von 1851 eine für unsere Thematik interessante Bildkomposition geschaffen: Eine majestätisceh Frau mit angedeutetem Heiligenschein, aufrecht in einem Kahn stehend, der sich dem Betrachter gegenüber anzunähern scheint, unter leuchtenden Wolken, über ein (im Mondlicht?) glitzerndes Gewässer  übersetzend. Die Frau könnte man als personifizierte Natura verstehen, die zwischen Himmlischem und Irdischem steht und den Menschen einlädt, in ihr Boot einzusteigen.

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Moritz von Schwind: Die Schifferin (1851)

 

 

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Anmerkung zu 11. Kap./3 * (Im Tempel der Isis-Natura) — August Macke und das Natura-Motiv

Dieser Beitrag bezieht sich auf meinen Magic of Nature Blog: https://heinzschott.wordpress.com/2013/06/01/10-kap-3-im-tempel-der-isis-natura/

Am 30. Dezember 2014 besuchte ich die Ausstellung “August Macke und Franz Marc. Eine Künstlerfreundschaft” im Kunstmuseum Bonn. Dabei fiel mir das Bild “Proträt mit Äpfeln” (1909) auf, das in seiner Komposition an andere Darstellungen der (Isis-)Natura erinnern: stattliche Frau, Füchte arbietend, neben einem Vorhang, der gerade aufgezogen worden zu sein scheint. Dargestellt ist Mackes Frau Elisabeth.

Hier mein technisch nicht perfektes Foto. Zahlreiche andere Fotografien des Gemäldes sind im Internet präsent.

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Anmerkung zu 36. Kap./4 * (Kunst als „Äffin der Natur“) Natura als Nährmutter der Metalle

Die Anmerkung bezieht sich auf den Magic of Nature Blog:

http://heinzschott.wordpress.com/2013/06/23/36-kap-4-kunst-als-affin-der-natur/

Die Natur als Nährmutter der Welt, bei Robert Fludd gewissermaßen als “Natura lactans” bildnerisch angedeutet, erscheint in einer aquarellierten Federzeichnung der Handschrift “Il tesoro del mondo” (Der Schatz der Welt) von Antonio  Neri (1598/99) noch einfacher: Als über bzw. in den Wolken schwebende nackte Himmelskönigin (quasi eine himmlische Undine), von deren linker Brust (Herz!) Milchstrahlen ausgehen, mit denen sie die sieben klassischen Metalle in den unter ihr liegenden Bergen nährt. Auch hier ist die Hierarchie Gott – Natur – Erde (ohne dargestellten Menschen bzw. Affen) erkennbar. Über dem gekrönten Haupt der Natura ist ein Symbol der Heiligen Hochzeit (Sonne und Mond vereint) zu sehen, das auf die göttliche Instanz über ihr verweist. Dies ist sicher nur ein Aspekt neben anderen, die es noch zu entdecken gilt.

Katalog S. 87

Antonio Neri: Il tesoro del mondo, 1598/99, fol. 2r University of Glasgow Library, Special Collections Department In; “Kunst und Alchemie”, Düsseldorf 2014, S. 87

Anmerkung zu 38. Kap./3 * (Loblieder der Frauenverehrung) Die göttliche Alchemie als himmlische Frau

Eine interessante Illustration von Leonhard Thurneysser von 1570 zeigt die göttliche Alchemie, die nicht zu verwechseln ist mit der Alchemie als menschliche Kunst.

Thurneysser 1570

 

Näheres wurde als Anmerkung direkt in den Magic of Nature Blog eingefügt:

https://wordpress.com/post/51205953/1431

Anmerkung zu # 29. Kap. (Göttliches Licht: Im Spiegel der Natur): Novalis über das “Mittelglied”, den “Mittler” zwischen Gott und Mensch

Der Deutschalndfunk sendete am 25.08.2014 in “Tag für Tag” den Beitrag: Novalis – Die Romantisierung der Welt” von Burkahrd Reinartz. Hier der Link auf den Text dieser Sendung:

https://drive.google.com/file/d/0ByekXtB9kRIyMzlXeHM4SkxtUDQ/edit?usp=sharing

Wie ich in “Magie der Natur” herausgestellt habe, erfüllte die Natur (natura) in der frühen Neuzeit die Funktion eines Mediums zwischen Mensch und Gott. Dieser naturphilosophischen Position folgt auch Novalis, der von einem “Mittelglied” oder “Mittler” spricht. Im Grunde konnte alles in der Außenwelt und Innenwelt des Menschen zum “Mittler” werden, nicht zuletzt auch Träume und “Geistersehen” im Sinne der romantischen Naturforschung. Erst jetzt (25.08.2014) bin ich auf das aufschlussreiche Ziitat aus dem “Blüthenstaub” gestoßen, das ich in meinem Werk nicht mehr berücksichtigen konnte. 

Novalis: Blüthenstaub. 74. Fragment

http://www.zeno.org/Literatur/M/Novalis/Fragmentensammlung/Bl%C3%BCthenstaub

74. Nichts ist zur wahren Religiosität unentbehrlicher als ein Mittelglied,das uns mit der Gottheit verbindet. Unmittelbar kann der Mensch schlechterdings nicht mit derselben in Verhältniß stehn. In der Wahl dieses Mittelglieds muß der Mensch durchaus frey seyn. Der mindeste Zwang hierin schadet seiner Religion. Die Wahl ist karakteristisch, und es werden mithin die gebildeten Menschen ziemlich gleiche Mittelglieder wählen, dahingegen der Ungebildete gewöhnlich durch Zufall hier bestimmt werden wird. Da aber so wenig Menschen einer freyen Wahl überhaupt fähig sind, so werden manche Mittelglieder allgemeiner werden; sey es durch Zufall, durch Associazion, oder ihre besondre Schicklichkeit dazu. Auf diese Art entstehn Landesreligionen. Je selbständiger der Mensch wird, desto mehr vermindert sich die Quantität des Mittelglieds, die Qualität verfeinert sich, und seine Verhältnisse zu demselben werden mannichfaltiger und gebildeter: Fetische, Gestirne, Thiere, Helden, Götzen, Götter, Ein Gottmensch. Man sieht bald, wie relativ diese Wahlen sind, und wird unvermerkt auf die Idee getrieben, daß das Wesen der Religion wohl nicht von der Beschaffenheit des Mittlers abhange, sondern lediglich in der Ansicht desselben, in den Verhältnissen zu ihm bestehe.

Es ist ein Götzendienst im weitern Sinn, wenn ich diesen Mittler in der That für Gott selbst ansehe. Es ist Irreligion, wenn ich gar keinen Mittler annehme; und in so fern ist Aberglaube und Götzendienst, und Unglaube oder Theismus, den man auch ältern Judaism nennen kann, beydes Irreligion. Hingegen ist Atheism nur Negazion aller Religion überhaupt, und hat also gar nichts mit der Religion zu schaffen. Wahre Religion ist, die jenen Mittler als Mittler annimmt, ihn gleichsam für das Organ der Gottheit hält, für ihre sinnliche Erscheinung. In dieser Hinsicht erhielten die Juden zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft eine ächt religiöse Tendenz, eine religiöse Hoffnung, einen Glauben an eine künftige Religion, der sie auf eine wunderbare Weise von Grund aus umwandelte, und sie in der merkwürdigsten Beständigkeit bis auf unsre Zeiten erhielt.

Die wahre Religion scheint aber bei einer nähern Betrachtung abermals antinomisch getheilt in Pantheismus und Monotheismus. Ich bediene mich hier einer Licenz, indem ich Pantheism nicht im gewöhnlichen Sinn nehme, sondern darunter die Idee verstehe, daß alles Organ der Gottheit, Mittler seyn könne, indem ich es dazu erhebe:so wie Monotheism im Gegentheil den Glauben bezeichnet, daß es nur Ein solches Organ in der Welt für uns gebe, das allein der Idee eines Mittlers angemessen sey, und wodurch Gott allein sich vernehmen lasse, welches ich also zu wählen durch mich selbst genöthigt werde: denn ohnedem würde der Monotheism nicht wahre Religion seyn.

So unverträglich auch beyde zu seyn scheinen, so läßt sich doch ihre Vereinigung bewerkstelligen, wenn man den monotheistischen Mittler zum Mittler der Mittelwelt des Pantheism macht, und diese gleichsam durch ihn centrirt, so daß beyde einander jedoch auf verschiedene Weise nothwendig machen.

Das Gebet, oder der religiöse Gedanke besteht also aus einer dreyfach aufsteigenden, untheilbaren Abstrakzion oder Setzung. Jeder Gegenstand kann dem Religiösen ein Tempel im Sinn der Auguren seyn. Der Geist dieses Tempels ist der allgegenwärtige Hohepriester, der monotheistische Mittler, welcher allein im unmittelbaren Verhältnisse mit der Gottheit steht.

Ergänzung zu 14. Kap./4 * Natura in der Maschinenwelt

Der Link zu dem Unterkapitel, auf den sich die folgende Ergänzung bezieht:

http://heinzschott.wordpress.com/2013/06/02/14-kap-4-natura-in-der-maschinenwelt/

Zufällig habe ich auf einer Ausstellung (“Kunst und Alchemie” in Düsseldorf) im Juli die Fotografie “Èrotique Voilée (Meret Oppenheim)” von Man Ray (1933) auf einer Postkarte im Museums-Shop entdeckt. Sie passt sehr gut zu dem Ölgemälde von G. Scholz “Fleisch und Eisen” (1923) [abgebildet in der Printausgabe von “Magie der Natur”: Teil 1, S. 322]. Die nackte schöne Frau (Meret Oppenheim [1913-1985]) wird von dem großen Speicherrad einer Maschine an den erogenen Zonen “verhüllt”.

Wegen des Coypyright kann ich hier nur den Link auf diese interessante Fotografie angeben:

http://www.elcultural.es/img/img_galeria/2014/6146.JPGx

Achtung: Der Link funktioniert, wenn sie nach Anklicken des Links das “x” am Ende löschen. Andernfalls würde im Blog-Beitrag das Bild direkt erscheinen, was ich aus rechtlichen Gründen vermeiden muss.

Nun ist sehr interessant, wie dieses Bild im Ausstellungskatalog “Kunst und Alchemie” (Düsseldorf 2014, S. 167) interpretiert wird: “Der Handgriff der Druckerpresse wird zum Phallus und verwandelt die Künstlerin in eine androgyne Figur”. Das ist alles, was zu dieser Fotografie gesagt wird! In der Tat ist dies so zu sehen, aber ist diese Sicht die einzig mögliche? Ich würde das vor dem Hintergrund meiner Funde verneinen, die auf eine naturphilosophische Tiefendimension hindeuten.