Anmerkung zu 9. Kap./5 * (Stigmatisierung der Juden) — Die “Judensau” in Wittenberg

Der Beitrag bezieht sich auf mein Magic of Nature Blog.

Als ich Wittenberg am 15. September 2015 besuchte, erinnere ich mich an die “Judensau” an der Außenwand der Stadtkirche (der “Urkirche” des Protestantismus, wie sie genannt wird.) Ich entdeckte das Relief wieder, es ist von unten eher unauffällig und nicht leicht zu erkennen. Wie der einschlägige Wikipedia-Artikel zeigt, ist die “Judensau” ein aus dem Hochmittelalter stammendes Bildmotiv zur Stigmatisierung der Juden. Sie haben Verkehr mit dem Schwein, machen sich mit ihm gemein, saugen milch aus seinen Zitzen.

Diese “Judensau” unter der Überschrift “Schem Hamphoras” bezieht sich direkt auf eine Schrift von Martin Luther, in der er die Juden verteufelte. Ich zitiere aus Wikipedia :

Vom Schem Hamphoras (vollständiger Titel: Vom Schem Hamphoras und vom Geschlecht Christi) ist ein Buch, das der deutsche Reformator Martin Luther 1543 schrieb, in welchem er die Juden mit dem Teufel gleichsetzte und sie in obszöner Sprache diffamierte.

Schem Hamphoras (hebräisch שם המפורש) ist der hebräische rabbinische Name für den unaussprechlichen Namen Gottes, das Tetragrammaton JHWH (יהוה). Luthers Gebrauch dieses Begriffs mussten Juden als Verhöhnung und Beleidigung empfinden. Er schrieb diese Abhandlung einige Monate, nachdem er bereits Von den Jüden und iren Lügen veröffentlicht hatte.

Luther behauptete, dass die Juden nicht mehr weiter das auserwählte Volk seien, sondern „des Teufels Volk“.

Es ist zu erwarten, dass der mit der Reformation einhergehende und durch Luthers Äußerungen befeuerte Antisemitismus bei dem 500. Jubiläum der Reformation im Jahr 2017 kritisch dargestellt werden wird.  

Sandsteinrelief mit Gravur; Südostflügel der Stadtkirche Wittenberg; entstanden um 1440; andere Quellen: um 1300

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Fotos: Heinz Schott (2015)

Ein Wittenberger Flublatt von 1596 zeigt diese Szene seitenverkehrt mit einem Begleittext:

juden

Bildquelle

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Anmerkung zu 34. Kap./4 * (Im Lichte der Natur) — Luthers Bibel in der Sonne

Der Beitrag bezieht sich auf mein Magic of Nature Blog.

Dieses Bildnis entdeckte ich im Lutherhaus (Augusteum) in Wittenberg bei einem Besuch am 15. September 2015:

Martin Luther von zwei Sonnen in den oberen Ecken eingerahmt: In der linken befindet sicht ein aufgeschlagenes Buch, in der rechten eine brennende Kerze. Zur Interpretation siehe unteres Foto.

Leder, vergoldet, 17./18. Jahrhundert

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Fotos. Heinz Schott (2015)

Das Buch, die Bibel (Wort Gottes) , erscheint hier als lichtgebende Sonne (Licht Gottes). Diese Verknüpfung von Sonne — Buch — Licht — Aufklärung/Erleuchtung findet sich auch in der Ikonografie der frühneuzeitlichen Naturforschung, etwa bei einem Buch aus dem Umfeld der Leopoldina (siehe Link). Dort bedeutet die Sonne das Licht Gottes, mit dessen Hilfe das Buch der Natur (“im Lichte der Natur”, wie Paracelsus formulierte) zu studieren sei.