Anmerkung zu 39. Kap./2 * („Mutterherz Gottes“) — Franz Werfels Gelübde in Lourdes

Dieser Beitrag bezieht sich auf mein Magic of Nature Blog.

Leider ist das Werfels Roman “Das Lied der Bernadette” nicht online verfügbar. In Google Books kann man wenigstens Franz Werfels Vorwort zum Roman (Los Angeles, im Mai 1941) nachlesen. 

Auf der Flucht vor den Deutschen gelangte Werfel mit seiner Frau Alma “in den letzten Junitagen des Jahres 1940” nach Lourdes. “Eines Tages in meiner große Bedrängnis legte ich ein Gelübde ab. Werde ich herausgeführt aus dieser verzweifelten Lage und darf die rettende Küste Amerikas erreichen — so gelobte ich –, dann will ich als erster vor jeder andern Arbeit das Lied von Bernadette singen, sog ich es kann. Dieses Buch ist ein erfülltes Gelübde.”  

Nach Erscheinen der englischen Ausgabe (“The Song of Bernadtte”, New York 1942) beschrieb Werfel in einem Beitrag für die Zeitschrift “The Commenweal”, der 1975 ins Deutsche übersetzt wurde, diese verzweifelte Situation: “Gab es noch eine irdische Macht, die mir helfen konnte? — Da wandte ich mich an jene mütterliche Kraft des Weltalls, die sich in dem armen Leben der kleinen Bernadette Soubirous und in den Geschichte lourdes’ so heilbringend offenbart hatte. Dieses amre Leben und diese sonderbaren Geschichten, schon hatten sie mich gefangen und eingesponnen. Und wirklich, mir wurde geholfen …”  

Werfel wollte aber neben diesem “rein sujektiven Grund” noch einen “äußeren” nennen, warum er dieses Buch schrieb. Es ging ihm um den laufenden Krieg, in dem er Partei ergreifen wollte. “Nicht ein materielles, sondern ein geistiges Prinzip steht in diesem Krieg auf dem Spiel. Noch sind die Fronten verworren und die Etnwicklung nicht abzusehen. Auf der einen Seite kämpft der radikale Nihilismus, der im Menschen nicht mehr Gottes Ebenbild sieht, sondern eine amoralische Maschine in einer völlig sinnlosen Welt. Auf der andern, auf unserer Seite kämpft die metaphysische, die religiöse Konzeption des Lebens, die Überzeugung, daß dieser Kosmos vom Geiste geschaffen ist und geistiger Sinn daher jedes Artom durchströmt. ‘Das Lied der Bernadette’ ist ein jubelnder Hymnus auf diesen geistigen Sinn der Welt.”

Zit. n. Franz Werfel: Das Lied der Bernadette. Roman. Frankfurt am Main 1991 (Fischer TB 9462), S. 546-548.

Werfels radiakle Kritik am Nihilsmus und seinen schlimmen politischen  Folgen erinnert an Albert Camus und Simone Weil, die zur selben Zeit gegen die Barbarei ankämpften, die ja keinewegs auf die Nationalsozialisten und ihren Vernichtungskrieg begrenzt war. Hierzu sind vielleicht weitere Blog-Beiträge wie dieser oder dieser von Interesse. Simone Weils Rede vom “inneren Licht” ist bemerkenswert.

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