Anmerkung zu 42.Kap./1 * (Mond, Natura und Scientia) — Lucas Cranachs “Melancholie” unter Verdacht

Dieser Beitrag bezieht sich auf meinen Magic of Nature Blog:

https://heinzschott.wordpress.com/2013/08/23/42-kap-1-mond-natura-und-scientia/

Im Ausstellungkatalog “Kunst und Alchemie. Das Geheimnis der Verwandlung” (Düsseldorf 2014, S. 124) wird die “Melancholie” von L. Cranach d. Ä. mit der “Melencolia I” von Dürer kontrastiert. Wärend letzteres Bildnis als Ausdruck der “okkulten Wissenschaften” verstanden wird, solle ersteres einer “unverhohlen dämonischen Bühne” Platz machen: “Der Engel bekommt schwarze Flügel und steht in seiner liederlichen, nichtstuerischen Erscheinung für Unreife oder gar Faulheit”. Die natürliche Magie sei hier “in wahrlich schlechte Gesellschaft geraten.”  Es gibt zumindest eine andere Variante dieses Gemäldes, auf der die Flügel weiß oder zumindest hell erscheinen (vgl. H. Schott: Magie der Natur […]. Aachen, 2014, 2. Teil., S. 313) Wie die züchtig gekleidete und ordentlich dasitzende Frau als “liederliche” Erscheinung gedeutet werden kann, ist nicht nachvollziehbar. In welcher Beziehung die Umtriebe der Hexen draußen in einer Wolke zur Engelsgestalt stehen und welche Rolle die Putten dabei spielen, ist keineswegs klar. Hier hätte die Interpretation anzusetzen.

So eindrucksvoll die Ausstellung “Kunst und Alchemie. Das Geheimnis der Verwandlung” in Düsseldorf (vom 5.4. – 10.8.2014) auch war, so unbefriedigend blieb sie auf grundlegenden Feldern der Wissenschaftsgeschichte. So wurde die überaus wichtige Geschichte des Paracelsismus weitgehend übergangen. An einer Stelle wurde Paracelsus sogar dem “15. Jahrhundert” zugeordnet, seine komplexe Naturphilosophie, die ja für Generationen von Naturforschern und Naturphilosophen – abgesehen von den Theosophen und der Rosenkreuzerbewegung – maßgeblich war, wurde nicht erläutert. Eine merkwürdige Dichotomie tat sich auf: Alchemie der frühe Neuzeit versus moderne, zeitgenössische Kunst, die mit Alchemie in Verbindung gebracht werden kann. Zugegebenermaßen ein faszinierender Spagat …

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