Anmerkung zu 42.Kap./1 * (Mond, Natura und Scientia) — Dürer und die Melancholiefalle

Der folgende Beitrag bezieht sich auf meinen Magic of Nature Blog:

https://heinzschott.wordpress.com/2013/08/23/42-kap-1-mond-natura-und-scientia/

Im Ausstellungkatalog “Kunst und Alchemie. Das Geheimnis der Verwandlung” (Düsseldorf 2014, S. 124) wird Dürers berühmtes Bildnis “Melencolia I” kurz besprochen. Hier wird pauschal festgestellt: “Kunsthistoriker haben das magische Quadrat des Jupiter als ein Zeichen dafür interpretiert, wie die natürliche Magie als Gegenmittel einer übermächtigen Melancholie dienen kann, bevor diese zur Geisteskrankheit ausartet.” Solche Kusnthistoriker sind, etwas salopp formuliert, in zweifacher Weise in die Melancholiefalle getappt. Zum einen gehen sie von der modernen Gleichsetzung von Melancholie (als Depression) mit Geisteskrankheit aus und ignorieren den zeitgenössischen, auf Aristoteles zurückgehenden Begriff der Melancholie als spezifisches Temperament für besonders künstlerische oder geniale Menschen. Zum anderen übersetzen sie automatisch “Melencolia” mit Melancholie, was in meinen Augen problematisch ist.

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