Anmerkung zu 32. Kap./2 * (Fascinatio als Magie des Blutes und des Blicks) – Stefan Zweigs Schilderung

Dieser Beitrag bezieht sich auf meinen Magic of Nature Blog:

http://heinzschott.wordpress.com/2013/06/17/32-kap-2-fascinatio-als-magie-des-blutes-und-des-blicks/

Kürzlich habe ich bei Stefan Zweig eine Beschreibung gefunden, die genau dem von Ficino geschilderten Mechanismus der “fascinatio” durch den Blick entspricht. Die Passage aus “Verwirrung der Gefühle” schildert die stärkste Annäherung des Professors an seinen Studenten, den Ich-Erzähler. Ob Zweigs meisterliche Darstellung der Gefühlsregungen von literarischen, theoretischen oder historischen Vorbildern inspiriert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Hier das Zitat:

“Dann kam er langsam ganz, ganz nahe, beide Hände vorgestreckt, heran, faßte die meinen; unbewegt sah er mich an. Allmählich füllten sich seine Pupillen, die sonst nur ein zuckendes Blinkfeuer von Farbe hatten, mit jenem klaren beseelten Blau, das von allen Elementen nur die Tiefe des Wassers und die Tiefe menschlichen Gefühls zu bilden vermögen. Und dieses glanzhafte Blau stieg auf aus den Augensternen, trat vor, drang in mich ein, ich fühlte, wie diese warme Welle von ihnen weich bis in mein Innerstes ging, strömend sich dort verbreitend und zu seltsamer Lust das Gefühl mir dehnend, die ganze Brust ward mit einmal weit von dieser wölbenden quellenden Gewalt, und ich spürte einen großen Mittag italisch in mir aufgehen.”

Stefan Zweig: Verwirrung der Gefühle [1927]. In: Stefan Zweig: Meisternovellen [1938]. Frankfurt am Main: Fischer, 1970, S. 186-264, hier S. 233.

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