Anmerkung zu 34. Kap./4 * (Im Lichte der Natur) — Die Enthüllung des göttlichen Lichts, um in der Bibel der Natur zu lesen

Dieser Beitrag bezieht sich auf meinen Magic of Nature Blog.

Das unten abgebildete Frontispiz von

Johann Christoph Sturm: Alter und Neuer Recht-Astronomischer/ von allen Aberglaubischen Waarsagereyen und Ungewißheiten gesäuberter und Absonderlich so genannter Finsternissen-Calender […]. Nürnberg 1675 [zur Bibliographie]

ist sehr interessant. Es zeigt, wie sich die frühneuzeitliche Naturforschung in religiöser Weise im Sinne der Aufklärung auf Gott und Natur bezieht. 

Finsternissen Calender.gif

Frontispiz von Johann Christoph Sturm: Finsternissen-Calender 1675

Meine Bildbeschreibung (spontane Einfälle):
“Vernunft” und “Gottesfurcht” ziehen die “Larve” vor der Sonne weg. Sie symbolisieren die wissenschaftliche Aufklärung (und sind weiblich!). “Ratio” und “Religio” werden in Emblembüchern der Renaissance gewöhnlich als Frauen personifiziert (auch “scientia”, Wisssenschaft). Allerdings bin ich mir hier nicht sicher, wie etwa der Flügelhelm der rechten Figur zu deuten ist (typisch u. a. für Merkur, hier eine Ansielung auf Minerva?). Es handelt sich dabei im Gegensatz zur “heidnischen” Deutung der Zeichen um eine “christliche”. Die Sonne symbolisiert Gott (Feuer, Licht der Wahrheit). Interessanterweise können dann die Strahlen (“der Warheit heller Schein”) auf eine stattliche Dame fallen, die in ehrfurchtsvoller Haltung vor einer Gebirgslandschaft kniet. Nach meinem Verständnis handelt es sich um die personifizierte Natur (“Natura”, üblicherweise als Frau bzw. Jungfrau) dargestellt. Das “Licht Gottes” ermöglicht das “Licht der Natur”: ein Gedanke des Paracelsus, der insbesondere in der Theosophie (Jacob Böhme) ausgestaltet wird und auch für die spätere Naturforschung (insbesondere Alchemie) noch maßgeblich ist. Die Naturforschung hat nun die Aufgabe, im Buch, in der “Bibel der Natur” (ein frühneuzeitlicher Topos in der Wissenschaft) zu lesen. Das Lamm Gottes (Christus) steht nun auf diesem Buch mit sieben Siegeln. Ich bin zu wenig theologisch geschult, um hierzu eine fundierte Erklärung abzugeben. Vielleicht kann man das so verstehen, dass sich demjenigen, der im Lichte der Natur und im Lichte Gottes (und das heißt im zeitgenössischen Kontext: in christlicher Perspektive) forscht, das Buch der Natur öffnet, sodass er darin die “Wahrheit” lesen kann.
Vielleicht noch eine Anmerkung zum möglichen Zusammenhang von Frau und Lamm links im Bild. Im 16. Jahrhundert gibt es eine (für mich) auffallende ideologische und ikonografische Verschmelzung von Maria als Muttergottes mit Natura. Möglicherweise wirkt diese Assoziation auch noch im 17. Jahrhundert fort, was ich bei der vorliegenden Abbildung vermute. Soweit meine Spekulation.      

 

 

 

 

 

 

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Anmerkung zur Anmerkung zu 34. Kap./1 * (Himmelsleiter und Goldene Kette) — Bücherleiter mit Lilie

Meine Betrachtung bezieht sich auf diesen Blog-Beitrag.

Am 8. August 2017 besuchte ich die Kieler Kunsthalle. In der Dauerausstellung viel mir dieses Bild von Alexander Kanoldt auf:

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Alexander Kanoldt (1881-1939): Stillleben mit Büchern und Lilie (1916) , Öl auf Leinwand                                        Foto: H. Schott (2017)

Interessanterweise entstand dieses Gemälde etwa zeitgleich mit dem Poster aus dem Ersten Weltkrieg, wobei die Bücher verschiedene Dimensionen in vertikaler Richtung überbrücken: Zum einen den Schützengraben mit der leuchtenden Stadt, zum anderen den Fußboden mit einer Tischplatte. In beiden Bildern ist die religiöse Symbolik unübersehbar: Zum einen die Vision vom Goldenen Jerusalem, zum anderen die Nähe der Muttergottes, der göttlichen Reinheit (Weiße Lilie).

Anmerkung zu 40.Kap./2* (Menschliche Madonna) — Die angeblich “wilde Frau” von Anita Albus

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Am 8. August 2017 besuchte ich die Kieler Kunsthalle. Dort sah ich mir die sehr eindrucksvolle Sonderausstellung “Anita Albus: Die Kunst zu sehen” an. Ein Bild viel mir besonders auf: Eine Illustration zu ihrem Buch

Eia popeia et cetera, Eine Sammlung alter Wiegenlieder aus dem Volk, Mit eingeklebten Bildtafeln (Ialienisch), Frankfurt am Main: Insel-Verlag, 1978

in der Ausstellung als “wilde Frau” bezeichnet. Im Folgenden das betreffende Bildzitat:

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Ein Buchillustration von Anita Albus

Ich weiß nichts über die Entstehung dieses Bildes, ganz sicher hat sich die Künstlerin von bestimmten (traditionellen) Vorbildern anregen lassen. Die Bezeichnung “wilde Frau” ist irreführend. Denn hier wird — wissenschaftshistorisch betrachtet — die Göttin Natura mit der Gottesmutter Maria (Madonna) verschmolzen. Die nackte Frau hat nichts mit “Wildheit” zu tun, sondern mit der Personifikation der Natur als weibliches Wesen, inmitten der irdischen Welt  mit ihren Tieren und Pflanzen. Sie sitzt vor der göttlichen Sonne, die sich im Wasser spiegelt, wobei die Sonne interessanterweise tiefer steht als der Kopf der Frau. Über den emblematischen Gehalt des Bildes ließe sich wahrscheinlich noch einiges mehr herausfinden.

Anmerkung zu 49. Kap./7* (Karezza für die Sexualreform) — Alice B Stockham: KAREZZA. Ethics of Marriage. Edited by Heinz Schott (2017)

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BoD – Books on Demand / auch als E-Book

Anmerkung vom 9.05.2017

JUST PUBLISHED — gerade erschienen:

siehe Amazon

siehe BoD – Books on Demand.

The reprint of the second edition (Chicago 1903) with an Epilogue of the editor will be published soon. Here is the cover.

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Publisher: BoD — Books on Demand

Text of the back cover:

Alice B. Stockham (1833-1912) was a gynecologist from Chicago, an enthusiastic fighter for a marital and sexual reform. She was also engaged in charity and interested in spiritual topics. She took “Karezza” from the Italian term “carezza” meaning petting or gentle stroking. Because of birth control as well as “spiritual exaltation” she pled for a radical change of sexual behavior. She was convinced, that there was a tremendous difference between the usual copulation ending with orgasm respectively ejaculation and the Karezza method of sexual merging without climax. In spite of the “sexual revolutions” during the 20th century her Karezza concept has been generally ignored until today.

Heinz Schott is an emeritus professor of the history of medicine at the University of Bonn (Germany)

Other BoD publications of the editor (in German):

— Himmel oder Hölle: Ansichten zur menschlichen  Sexualität (2017)

—  Fluidum: Magische Momente des Mesmerismus (2017)

 

Anmerkung zu 24. Kap./2 * („Heilsame Krisen“ durch magnetische „Mittheilung“) — Mitteilung des Lebensfeuers in einer Erzählung von Tolstoi

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Kürzlich las ich Leo Tolstois Erzählung “Herr und Knecht” (1895). Eine Stelle hat mich besonders an unsere Thematik erinnert: Dort, wo sich während eines Schneesturms der egozentrische Herr entschließt, seinen Knecht vor dem Erfrieren zu retten, indem er ihn mit seinem eigenen Körper bedeckt und sich somit für ihn opfert.

“Nachdem er den ganzen Schnee hinausgeworfen hatte, band er hastig den Gürtel ab, machte den Pelz auf, gab Nikita [dem Knecht] einen Schub und legte sich auf ihn, indem er ihn nicht nur mit seinem Pelz, sondern mit seinem ganzen warmen, erhitzten Körper zudeckte. Mit den Händen stopfte er die Schöße des Pelzes zwischen die Schlittenwand und Nikita und hielt die Enden mit den Knien fest. So lag er auf dem Bauch da […].”

“Er weiß, daß dies der Tod ist, aber das macht ihm das Herz nicht schwer. Er denkt daran, daß Nikita unter ihm liegt, daß er warm ist und lebendig, und ihm scheint, als sei er Nikita und Nikita er, und als befände sich sein Leben nicht in ihm, sondern in Nikita.”

Aus: Leo Tolstoi: Herr und Knecht (1895), in: Leo N. Tolstoi: Die Erzählungen. Neu hg. von Barbara Conrad. Bd. 2. Düsseldorf; Zürich: Artemis & Winkler, 2001, S. 275-332; hier S. 326 f. bzw. S. 329.

 

 

 

Anmerkung zu 48. Kap./3 * (Männerfantasien und Faschismus) — Ferdinand Hodler: “Die Wahrheit” umgeben von Dunkelmännern

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Bei meinem Besuch der Ausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast am 6.01.2017 fiel mir das Gemälde von Ferdinand Hodler “Die Wahrheit” (1903) auf. Es erinnerte mich an an eine Karikatur im “Stürmer” von 1935, wo ebenfalls eine nackte Frau als “Wahrheit” auftritt, vor jüdischen Dunkelmännern. Hodlers Gemälde liegt jedoch sicher kein antisemitisches Motiv zugrunde. Die Konstellation majestätisch auftretende nackte Frau umgeben von dunkel bekleideten Männern, die sie in die Flucht zu schlagen scheint, ist jedoch in beiden Fällen gleich.  

Die beiden folgenden Fotos sind Wikipedia Commons entnommen.

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Ferdinand Hodler. “Die Wahrheit II” (1903)

 

Daneben git es noch ein korrespondierendes Genälde:

Hodler_Wahrheit Nummer I.JPG

Ferdinand Hodler: “Die Wahrheit I” (1903)

Und hier die Abbildung aus “Der Stürmer” (Januar 1935):

Abb. Seltsame Auswirkung (Isis) 1935.jpg

NS-“Wahrheit” vor “jüdischen Dunkelmännern”

Anmerkung zu 35. Kap./1 * (Kosmische Begattung) — Der Schoß der Natur

Dieser Beitrag bezieht sich auf mein Magic of Natur Blog, siehe hier und hier.

Am 6. Januar 2017 besuchte ich die Ausstellung “Hinterm Vorhang” im Düsseldorfer Kunstpalast. Mir fiel das Bild einer Frau vor einem Riesenvorhang auf. Dieser erinnert an eine weiblichen Schamgegend mit Vulva, vor der eine junge nackte Frau posiert — eine Natura ?

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Markus Schinwald: Untitled #VII, 2015

Bildquelle online