Anmerkung zur Anmerkung zu 34. Kap./1 * (Himmelsleiter und Goldene Kette) — Bücherleiter mit Lilie

Meine Betrachtung bezieht sich auf diesen Blog-Beitrag.

Am 8. August 2017 besuchte ich die Kieler Kunsthalle. In der Dauerausstellung viel mir dieses Bild von Alexander Kanoldt auf:

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Alexander Kanoldt (1881-1939): Stillleben mit Büchern und Lilie (1916) , Öl auf Leinwand                                        Foto: H. Schott (2017)

Interessanterweise entstand dieses Gemälde etwa zeitgleich mit dem Poster aus dem Ersten Weltkrieg, wobei die Bücher verschiedene Dimensionen in vertikaler Richtung überbrücken: Zum einen den Schützengraben mit der leuchtenden Stadt, zum anderen den Fußboden mit einer Tischplatte. In beiden Bildern ist die religiöse Symbolik unübersehbar: Zum einen die Vision vom Goldenen Jerusalem, zum anderen die Nähe der Muttergottes, der göttlichen Reinheit (Weiße Lilie).

Anmerkung zu 40.Kap./2* (Menschliche Madonna) — Die angeblich “wilde Frau” von Anita Albus

Dieser Beitrag bezieht sich auf mein Magic of Nature Blog.

Am 8. August 2017 besuchte ich die Kieler Kunsthalle. Dort sah ich mir die sehr eindrucksvolle Sonderausstellung “Anita Albus: Die Kunst zu sehen” an. Ein Bild viel mir besonders auf: Eine Illustration zu ihrem Buch

Eia popeia et cetera, Eine Sammlung alter Wiegenlieder aus dem Volk, Mit eingeklebten Bildtafeln (Ialienisch), Frankfurt am Main: Insel-Verlag, 1978

in der Ausstellung als “wilde Frau” bezeichnet. Im Folgenden das betreffende Bildzitat:

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Ein Buchillustration von Anita Albus

Ich weiß nichts über die Entstehung dieses Bildes, ganz sicher hat sich die Künstlerin von bestimmten (traditionellen) Vorbildern anregen lassen. Die Bezeichnung “wilde Frau” ist irreführend. Denn hier wird — wissenschaftshistorisch betrachtet — die Göttin Natura mit der Gottesmutter Maria (Madonna) verschmolzen. Die nackte Frau hat nichts mit “Wildheit” zu tun, sondern mit der Personifikation der Natur als weibliches Wesen, inmitten der irdischen Welt  mit ihren Tieren und Pflanzen. Sie sitzt vor der göttlichen Sonne, die sich im Wasser spiegelt, wobei die Sonne interessanterweise tiefer steht als der Kopf der Frau. Über den emblematischen Gehalt des Bildes ließe sich wahrscheinlich noch einiges mehr herausfinden.

Anmerkung zu 49. Kap./7* (Karezza für die Sexualreform) — Alice B Stockham: KAREZZA. Ethics of Marriage. Edited by Heinz Schott (2017)

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BoD – Books on Demand / auch als E-Book

Anmerkung vom 9.05.2017

JUST PUBLISHED — gerade erschienen:

siehe Amazon

siehe BoD – Books on Demand.

The reprint of the second edition (Chicago 1903) with an Epilogue of the editor will be published soon. Here is the cover.

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Publisher: BoD — Books on Demand

Text of the back cover:

Alice B. Stockham (1833-1912) was a gynecologist from Chicago, an enthusiastic fighter for a marital and sexual reform. She was also engaged in charity and interested in spiritual topics. She took “Karezza” from the Italian term “carezza” meaning petting or gentle stroking. Because of birth control as well as “spiritual exaltation” she pled for a radical change of sexual behavior. She was convinced, that there was a tremendous difference between the usual copulation ending with orgasm respectively ejaculation and the Karezza method of sexual merging without climax. In spite of the “sexual revolutions” during the 20th century her Karezza concept has been generally ignored until today.

Heinz Schott is an emeritus professor of the history of medicine at the University of Bonn (Germany)

Other BoD publications of the editor (in German):

— Himmel oder Hölle: Ansichten zur menschlichen  Sexualität (2017)

—  Fluidum: Magische Momente des Mesmerismus (2017)

 

Anmerkung zu 24. Kap./2 * („Heilsame Krisen“ durch magnetische „Mittheilung“) — Mitteilung des Lebensfeuers in einer Erzählung von Tolstoi

Dieser Beitrag bezieht sich auf mein Magic of Nature Blog.

Kürzlich las ich Leo Tolstois Erzählung “Herr und Knecht” (1895). Eine Stelle hat mich besonders an unsere Thematik erinnert: Dort, wo sich während eines Schneesturms der egozentrische Herr entschließt, seinen Knecht vor dem Erfrieren zu retten, indem er ihn mit seinem eigenen Körper bedeckt und sich somit für ihn opfert.

“Nachdem er den ganzen Schnee hinausgeworfen hatte, band er hastig den Gürtel ab, machte den Pelz auf, gab Nikita [dem Knecht] einen Schub und legte sich auf ihn, indem er ihn nicht nur mit seinem Pelz, sondern mit seinem ganzen warmen, erhitzten Körper zudeckte. Mit den Händen stopfte er die Schöße des Pelzes zwischen die Schlittenwand und Nikita und hielt die Enden mit den Knien fest. So lag er auf dem Bauch da […].”

“Er weiß, daß dies der Tod ist, aber das macht ihm das Herz nicht schwer. Er denkt daran, daß Nikita unter ihm liegt, daß er warm ist und lebendig, und ihm scheint, als sei er Nikita und Nikita er, und als befände sich sein Leben nicht in ihm, sondern in Nikita.”

Aus: Leo Tolstoi: Herr und Knecht (1895), in: Leo N. Tolstoi: Die Erzählungen. Neu hg. von Barbara Conrad. Bd. 2. Düsseldorf; Zürich: Artemis & Winkler, 2001, S. 275-332; hier S. 326 f. bzw. S. 329.

 

 

 

Anmerkung zu 48. Kap./3 * (Männerfantasien und Faschismus) — Ferdinand Hodler: “Die Wahrheit” umgeben von Dunkelmännern

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Bei meinem Besuch der Ausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast am 6.01.2017 fiel mir das Gemälde von Ferdinand Hodler “Die Wahrheit” (1903) auf. Es erinnerte mich an an eine Karikatur im “Stürmer” von 1935, wo ebenfalls eine nackte Frau als “Wahrheit” auftritt, vor jüdischen Dunkelmännern. Hodlers Gemälde liegt jedoch sicher kein antisemitisches Motiv zugrunde. Die Konstellation majestätisch auftretende nackte Frau umgeben von dunkel bekleideten Männern, die sie in die Flucht zu schlagen scheint, ist jedoch in beiden Fällen gleich.  

Die beiden folgenden Fotos sind Wikipedia Commons entnommen.

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Ferdinand Hodler. “Die Wahrheit II” (1903)

 

Daneben git es noch ein korrespondierendes Genälde:

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Ferdinand Hodler: “Die Wahrheit I” (1903)

Und hier die Abbildung aus “Der Stürmer” (Januar 1935):

Abb. Seltsame Auswirkung (Isis) 1935.jpg

NS-“Wahrheit” vor “jüdischen Dunkelmännern”

Anmerkung zu 35. Kap./1 * (Kosmische Begattung) — Der Schoß der Natur

Dieser Beitrag bezieht sich auf mein Magic of Natur Blog, siehe hier und hier.

Am 6. Januar 2017 besuchte ich die Ausstellung “Hinterm Vorhang” im Düsseldorfer Kunstpalast. Mir fiel das Bild einer Frau vor einem Riesenvorhang auf. Dieser erinnert an eine weiblichen Schamgegend mit Vulva, vor der eine junge nackte Frau posiert — eine Natura ?

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Markus Schinwald: Untitled #VII, 2015

Bildquelle online

Anmerkung zu 43. Kap./1 * (Das „innere Licht“) — Lichtmetaphorik bei Leo Tolstoi

Dieser Beitrag bezieht sich auf mein Magic of Nature Blog.

In der Erzählung Die Kreutzersonate [1]

erläutert Tolstoi durch den Mund der Hauptfigur den Unterschied zwischen  einem äußerlichen Gesetz, einer äußerlichen Glaubenslehre und der Lehre Christi.

“Wer das äußerliche Gesetz bekennt, ist wie ein Mensch, der im Licht einer an einem Pfeiler aufgehängten Leuchte steht. Er steht im Licht dieser Leuchte, um ihn ist es hell, und er braucht nicht weiter zu gehen. Wer sich zu Christi Lehre bekennt, gleicht einem Menschen, der auf einer mehr oder minder langen Stange eine Leuchte vor sich herträgt. Das Licht ist immer vor ihm und vernlaßt ihn immer, ihm zu folgen, und zeigt ihm immer wieder eine neue, verlockende beleuchtete Fläche.” (S. 214)

Der Philosoph mit der Laterne, der sich auf die Suche macht, ist seit der Antike ein bekanntes Motiv. Es taucht auch in der Naturphilosophie der frühen Neuzeit auf, etwa in dem Kupferstich von Matthäus Merian, wo zwei Naturforscher (“Philosophen”) mit Hilfe von Laternen den Fußstapfen der Natura folgen — siehe Header meines Magic of Nature Blogs mit den entsprechenden Quellenangaben (Button unterhalb des Header-Bildes neben “Home” anklicken).   

“Der Unterschied zwischen der Lehre des Christentums und allen andern Glaubenslehren” (S. 214 f.):

“Der Pharisäer dankt Gott dafür, daß er alles erfüllt hat. […] Der Bekenner des Gesetzes Christi ist immer in der Lage des Zöllners. Er fühlt sich immer unvollkommen, denn er sieht die Strecke hinter sich nicht, die er zurückgelegt hat, sondern stets den Weg vor sich, den er zu gehen und den er noch nicht zurückgelegt hat.

[…] ein Unterschied, der nicht in der Verschiedenheit der Forderungen, sondern in der Verschiedenheit der Art bei der Anleitung des Menschen besteht. Christu shat keinerlei Lebensvorschriften gegeben, er nie irgendwleche Einrichtungen begründet, er hat auch nicht die Ehe eingesetzt.”

[1] In: Leo N. Tolstoi: die Erzählungen. Neu herausgegeben und mit einem Nachwort, Anmerkungen und Zeittafel von Barbara Conrad. Band II. Späte Erzählungen 1886-1910. Düsseldorf und Zürich: Artemis & Winkler, 2001; S. 115-222.